Es erschien die Freundlichkeit Gottes

„Ich bin ein Atheist“ – outete sich mein neuer Bekannter. „Eine Sache mit Gott würde mich dennoch interessieren“ - überraschte er mich und fragte: „Glauben Christen, Moslems und Juden an ein und denselben Gott?“. „Hm, was sagst Du ihm jetzt“- hektisch suchte ich nach ein paar klugen Ideen. Spontan kam mir dann Folgendes in den Sinn:
„Ob ein und derselbe Gott alle Religion verbindet, darauf kann ich dir keine verlässliche Antwort geben. Alle Religion haben jedoch eines gemeinsam: Sie sind Offenbarungsreligionen. Ihre Aussagen über Gott stammen aus einer Offenbarungsquelle, das heißt, irgendwie, irgendwann, irgendwo und durch irgendjemanden musste dieses Wissen entstehen.


Im christlichen Glauben stammt die Idee von Gott von einem historischen Menschen namens Jesus aus Nazareth. Darum hat der christliche Gott ein menschliches Gesicht. Gott ist Gott in seiner liebenden Zuwendung zu uns Menschen. Er ist menschenfreundlich. Er hat seine überweltliche Existenz durch eine Liebestat für uns Menschen geoffenbart. Was Jesus Christus tat und sagte, beschreibt das Wesen Gottes.“
Nun könnte ich im Nachhinein behaupten, dass ich die Frage meines neuen Bekannten viel besser hätte beantworten können, wenn ich mehr Zeit zum Überlegen gehabt hätte. Eine Sache baute mich dabei jedoch selbst auf und brannte sich in meinem Gedächtnis ein:
„Der Gott des christlichen Glaubens offenbart sein Wesen in der menschlichen Gestalt Jesu Christi“. Gott ist menschenfreundlich und beziehungsorientiert.
Menschenfreundlichkeit Gottes. Dies ist die Botschaft der Geburt Jesu Christi. Der Apostel Paulus sieht in der Erscheinung Gottes die Erscheinung seiner Freundlichkeit und Menschenliebe:

„Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Retters – machte er uns selig“ Titus 3, 4-5a.

Diese Botschaft erreicht uns auch heute als Botschaft der guten Hoffnung auf Gott. Es liegt viel Segen im Vertrauen auf Gott, der sich als freundlich und menschenliebend geoffenbart hat.
Ich wünsche uns alle, dass wir unsere Hoffnungsblicke immer und zuerst auf das werfen, was uns als Garantie der Liebe Gottes vorbehaltlos dienen kann – auf die Tatsache der Menschenwerdung Gottes durch die Geburt Christi.


„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit ALLEM geistlichen Segen im Himmel durch Christus“. Epheserbrief 1, 3.

Eine hoffnungsvolle Adventszeit euch allen


In Liebe Euer Pastor

Alexander Stavnichuk

Aus dem Büro des Pastors

Gebet. Das Geheimnis des toten Blickwinkels ist entzaubert.


Es ist Samstag. 9 Uhr morgens. Das 24 Stunden- Gebet läuft schon seit 15 Stunden. Ohne Unterbrechung. Von Herz zu Herz. Von Sehnsucht zu Sehnsucht. Von Heiligkeit zu Heiligkeit. Das erfordert Kraft, Willen, Inspiration und Selbstverantwortung.
Während ich gebetet habe, öffnete sich in meinem Inneren etwas, was ich vorher noch nicht erlebt habe. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich habe die Welt, Menschen und mich selbst aus einer neuen Perspektive erlebt. Ich habe alles aus dem Gebet heraus wie neu gesehen. Als hätte mir jemand eine neue Brille aufgesetzt, durch die ich die die Welt in einem neuen Licht sehen konnte. Als hätte mich jemand in eine Glaskugel gesetzt, durch deren Glaswand ich neue Farben, neue Gestalten, neue Emotionen und neue Inspiration fürs Leben erlebt habe. Ich habe die Welt voller Heiligkeit in Bezug zu Gott gesehen. Alle Gegenstände, Menschen, die Natur, die Weltereignisse haben ihre Bedeutung und Wichtigkeit in ihrem Verhältnis zu Gott, dem Schöpfer, dem Erlöser, dem Friedensstifter und dem Erneurer aller Dinge, Jesus Christus bekommen. Alles schien einen Sinn, ein Ziel, einen Wert von Gott her zu haben. Ich habe die alles verwandelnde Wirkung des Gebets erkannt. Das Geheimnis des toten Winkels wurde damit entzaubert!


Ich habe erkannt, was die Verheißung der Bibel „Betet ohne Unterlass“ bedeutet. Das bedeutet für mich so viel wie - „Nimm Dir Zeit, Dich restlos und ganz vor Gott zu bringen. Verweile in dieser Ausrichtung auf Gott: 20 Minuten, 1 Stunde, 6 Stunden ... immer“.
Ich habe erkannt, warum Jesus Christus während seines irdischen Lebens die ausgiebigen Zeiten des Gebets mit seinem Vater suchte. Die Nähe zum himmlischen Vater war für ihn diese heilige „Glaswand“, durch die Jesus unsere finstere Welt voller leuchtender Farben und Lebensfrische gesehen hat. Darum hat er sich der Rettung dieser Welt so leidenschaftlich hingegeben.


So ist auch seine Gemeinde. Seit Pfingsten, als Gott die Menschheit durch den Heiligen Geist neu und lebensspendend besucht hat, sind alle Christen von Gott dazu aufgefordert, die Welt durchs Gebet hindurch zu sehen. Im Beten vor Gott sehen wir die Welt aus der Perspektive der Erlösung. Das gibt uns Hoffnung. Diese Hoffnung auf die lebendige Zukunft, auf die die Welt sehnsüchtig wartet, soll ihre Gestalt in uns nehmen. Diese Hoffnung nahm Gestalt in den Jüngern am Pfingsttag. Als sie zusammen beteten, fiel der Geist Christi, der Geist der Hoffnung und Erneuerung, auf sie und die Jünger wurden auf der Stelle wie verwandelt. Alle Anwesenden spürten, dass die Jünger plötzlich anders als sie waren - leicht, entspannt, fröhlich und mit einer neuen Lebensenergie, wie von gutem Wein beseelt.


Ich wünsche Euch ein frohes Pfingstfest.

Euer Pastor Alexander Stavnichuk

Der Glaube – der Vorbote des Frühlings


Die Winterzeit ist in Russland sehr lang. Anfang März liegt die Natur noch im tiefen Winterschlaf. Dazu eine Begebenheit aus einer meiner Reisen nach St.Petersburg. Eines Tages, Anfang März, schneite es wieder. Alles, Straßen, geparkte Autos, Bäume lag wieder unter einer weißen Decke. Diese weiße, eiskalte Idylle, wurde optisch durch ein Wort gestört, das jemand auf dem Bürgersteig aus dem Schnee freigeschaufelt hat: „Frühling".
Die Sehnsucht nach Wärme und Aufwachen der Natur hat jemanden so stark getrieben, dass er den Aufbruch von Frühling mitten in der noch herrschenden eisigen Kälte angekündigt hat. Derjenige, der dieses Wort in den Schnee geschrieben hat, lebte schon im Frühling. Seine Augen sahen nicht die verschneiten Straßen, sondern blickten in den Kalender, auf dem „1. März" stand. Diese Person glaubte fest an eine Tatsache, deshalb lebte sie im Vorgeschmack des Frühlings.


Wenn der Apostel Petrus schreibt, „wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt" (2 Ptr 3, 13), dann bringt er damit genau die gleiche Haltung wie die Person, die das Wort „Frühling" geschrieben hat, zum Ausdruck. Wir Christen erleben die Wirklichkeit aus dem Glauben, dass alles Sichtbare nicht endgültig ist. Das Schönste wartet auf uns. Das ist die Auferstehung. Diesen Weg hat der Retter Jesus Christus gebahnt. Durch sein Leben, seinen Tod und Auferstehung hat er den alten Lauf der Dinge außer Kraft gesetzt. Der Tod hat im Leben des Menschen nicht das letzte Wort, sondern die Macht Gottes, die durch den Glauben an Jesus Christus wirkt. Wer Christus nachfolgt, hat die endgültige Macht des Todes überwunden. Diese Tatsache wirkt stärker als die Winterzeit unserer Endlichkeit. Das innere Gesetz des Glaubens an Jesus Christus ermutigt uns:

„Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt." (Röm 8,11.).

Ich wünsche Euch allen eine große Hoffnung auf das Schönste, das noch kommt.
Euer Pastor