Die christliste Zeitrechnung

Die christliche Zeitrechnung ist eigenartig. Die Zeit wird von der Wiederkunft Jesu her, also von der Zukunft zurück in die Gegenwart gerechnet. So machen es die Kinder, wenn sie den Abstand zu einem spannenden Event wie Geburtstag oder Heiligabend verringern, indem sie die verbleibenden Nächte zählen. Die vergangene Zeit ist für uns Christen nie etwas, was Nostalgie oder Wehmut nach verpassten Möglichkeiten auslöst. Das Beste wartet noch auf uns. So gibt uns die Vorwegnahme der Ewigkeit ein Maß, unsere Vergangenheit und Gegenwart zu bewerten.

Es stellt sich also die Frage: „Was hat Ewigkeitsqualität?“ Was wird am Tag der Vollendung der Zeit zählen? Das Wort Gottes gibt uns eine klare Auskunft dazu: Im Gleichnis über die anvertrauten Pfunde ist die Rede davon, dass jeder Christ von Gott aufgefordert ist, das, was Gott ihm anvertraut hat, zum Wachstum zu bringen. Dieser kleine Samen der Ewigkeit, den Gott in uns gelegt hat, ist das neue Leben, das „Christus Jesus in uns“. Darum frage dich, wo dieses „Christus in mir“ in deinem Leben größer geworden ist? Wo, wann und wie konkret hat dein Glaube an Jesus Christus Wirkung gezeigt?

Was kann das sein? Das sind alle Momente deines Lebens, die dich zur Liebe zu Gott und zu deinen Mitmenschen bewegt haben. Es sei ein Dank, eine tiefe Anbetung Gottes, jeder Ausdruck von Reue und Buße, ein Entschluss, destruktive Dinge in deinem Leben aus Liebe zu Gott zu verändern. Es sei eine gute selbstlose Tat an deinem Mitmenschen. Ein Dienst der Barmherzigkeit. Ein neuer Anfang. Eine Tat von dir, die dem Willen Gottes entspricht. Es ist etwas in deinem Leben, wodurch Gottes Wirklichkeit in dir und in deiner Umgebung Gestalt genommen hat.

Wenn du all diese Dinge in deinem Leben entdeckt hast, findest du dort die Wegbeschreibung von Gott für dein nächstes Jahr.  Wo Dinge der Zukunft dein Leben heute lenken und gestalten, dort erlebst du das Zeitwunder. Du begegnest dem Wind der Ewigkeit, die in deinem Leben hier und jetzt wirkt.

Ein gesegnetes neues Jahr wünscht Euch allen

euer Pastor Alexander Stavnichuk


Es erschien die Freundlichkeit Gottes

„Ich bin ein Atheist“ – outete sich mein neuer Bekannter. „Eine Sache mit Gott würde mich dennoch interessieren“ - überraschte er mich und fragte: „Glauben Christen, Moslems und Juden an ein und denselben Gott?“. „Hm, was sagst Du ihm jetzt“- hektisch suchte ich nach ein paar klugen Ideen. Spontan kam mir dann Folgendes in den Sinn:
„Ob ein und derselbe Gott alle Religion verbindet, darauf kann ich dir keine verlässliche Antwort geben. Alle Religion haben jedoch eines gemeinsam: Sie sind Offenbarungsreligionen. Ihre Aussagen über Gott stammen aus einer Offenbarungsquelle, das heißt, irgendwie, irgendwann, irgendwo und durch irgendjemanden musste dieses Wissen entstehen.


Im christlichen Glauben stammt die Idee von Gott von einem historischen Menschen namens Jesus aus Nazareth. Darum hat der christliche Gott ein menschliches Gesicht. Gott ist Gott in seiner liebenden Zuwendung zu uns Menschen. Er ist menschenfreundlich. Er hat seine überweltliche Existenz durch eine Liebestat für uns Menschen geoffenbart. Was Jesus Christus tat und sagte, beschreibt das Wesen Gottes.“
Nun könnte ich im Nachhinein behaupten, dass ich die Frage meines neuen Bekannten viel besser hätte beantworten können, wenn ich mehr Zeit zum Überlegen gehabt hätte. Eine Sache baute mich dabei jedoch selbst auf und brannte sich in meinem Gedächtnis ein:
„Der Gott des christlichen Glaubens offenbart sein Wesen in der menschlichen Gestalt Jesu Christi“. Gott ist menschenfreundlich und beziehungsorientiert.
Menschenfreundlichkeit Gottes. Dies ist die Botschaft der Geburt Jesu Christi. Der Apostel Paulus sieht in der Erscheinung Gottes die Erscheinung seiner Freundlichkeit und Menschenliebe:

„Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Retters – machte er uns selig“ Titus 3, 4-5a.

Diese Botschaft erreicht uns auch heute als Botschaft der guten Hoffnung auf Gott. Es liegt viel Segen im Vertrauen auf Gott, der sich als freundlich und menschenliebend geoffenbart hat.
Ich wünsche uns alle, dass wir unsere Hoffnungsblicke immer und zuerst auf das werfen, was uns als Garantie der Liebe Gottes vorbehaltlos dienen kann – auf die Tatsache der Menschenwerdung Gottes durch die Geburt Christi.


„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit ALLEM geistlichen Segen im Himmel durch Christus“. Epheserbrief 1, 3.

Eine hoffnungsvolle Adventszeit euch allen


In Liebe Euer Pastor

Alexander Stavnichuk

Aus dem Büro des Pastors

Gebet. Das Geheimnis des toten Blickwinkels ist entzaubert.


Es ist Samstag. 9 Uhr morgens. Das 24 Stunden- Gebet läuft schon seit 15 Stunden. Ohne Unterbrechung. Von Herz zu Herz. Von Sehnsucht zu Sehnsucht. Von Heiligkeit zu Heiligkeit. Das erfordert Kraft, Willen, Inspiration und Selbstverantwortung.
Während ich gebetet habe, öffnete sich in meinem Inneren etwas, was ich vorher noch nicht erlebt habe. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich habe die Welt, Menschen und mich selbst aus einer neuen Perspektive erlebt. Ich habe alles aus dem Gebet heraus wie neu gesehen. Als hätte mir jemand eine neue Brille aufgesetzt, durch die ich die die Welt in einem neuen Licht sehen konnte. Als hätte mich jemand in eine Glaskugel gesetzt, durch deren Glaswand ich neue Farben, neue Gestalten, neue Emotionen und neue Inspiration fürs Leben erlebt habe. Ich habe die Welt voller Heiligkeit in Bezug zu Gott gesehen. Alle Gegenstände, Menschen, die Natur, die Weltereignisse haben ihre Bedeutung und Wichtigkeit in ihrem Verhältnis zu Gott, dem Schöpfer, dem Erlöser, dem Friedensstifter und dem Erneurer aller Dinge, Jesus Christus bekommen. Alles schien einen Sinn, ein Ziel, einen Wert von Gott her zu haben. Ich habe die alles verwandelnde Wirkung des Gebets erkannt. Das Geheimnis des toten Winkels wurde damit entzaubert!


Ich habe erkannt, was die Verheißung der Bibel „Betet ohne Unterlass“ bedeutet. Das bedeutet für mich so viel wie - „Nimm Dir Zeit, Dich restlos und ganz vor Gott zu bringen. Verweile in dieser Ausrichtung auf Gott: 20 Minuten, 1 Stunde, 6 Stunden ... immer“.
Ich habe erkannt, warum Jesus Christus während seines irdischen Lebens die ausgiebigen Zeiten des Gebets mit seinem Vater suchte. Die Nähe zum himmlischen Vater war für ihn diese heilige „Glaswand“, durch die Jesus unsere finstere Welt voller leuchtender Farben und Lebensfrische gesehen hat. Darum hat er sich der Rettung dieser Welt so leidenschaftlich hingegeben.


So ist auch seine Gemeinde. Seit Pfingsten, als Gott die Menschheit durch den Heiligen Geist neu und lebensspendend besucht hat, sind alle Christen von Gott dazu aufgefordert, die Welt durchs Gebet hindurch zu sehen. Im Beten vor Gott sehen wir die Welt aus der Perspektive der Erlösung. Das gibt uns Hoffnung. Diese Hoffnung auf die lebendige Zukunft, auf die die Welt sehnsüchtig wartet, soll ihre Gestalt in uns nehmen. Diese Hoffnung nahm Gestalt in den Jüngern am Pfingsttag. Als sie zusammen beteten, fiel der Geist Christi, der Geist der Hoffnung und Erneuerung, auf sie und die Jünger wurden auf der Stelle wie verwandelt. Alle Anwesenden spürten, dass die Jünger plötzlich anders als sie waren - leicht, entspannt, fröhlich und mit einer neuen Lebensenergie, wie von gutem Wein beseelt.


Ich wünsche Euch ein frohes Pfingstfest.

Euer Pastor Alexander Stavnichuk