Pfingsten: Gott begegnet der Welt aufs Neue


„Ich werde euch nicht alleine lassen“ – sagte Jesus nachdem er gesehen hat, wie die Ankündigung seines Todes die Jünger irritiert hat. Dies war das Versprechen der Nähe. Es klang für die Jünger Christi unrealistisch. Unrealistisch, weil sie sich keine andere Gegenwart ihres Lehrers vorstellen konnten. Nun will Jesus sie verlassen und gleichzeitig bei ihnen sein. „Wie kann das möglich sein?“ – dachten seine Jünger.


Doch Jesus blickte viel weiter als seine Jünger es sehen konnten. Er bereitete sie auf die Zeit nach seinem Tod vor. Er stellte seine Jünger auf das absolut Neue ein, was die Jünger bis dahin noch nicht erfahren hatten, nämlich auf die Beziehung mit dem Heiligen Geist. Jesus sah den Tag voraus, an dem Gott seinen Heiligen Geist ausgießen wird.
Jesus wusste, dass die Welt nach dieser Ausgießung anders sein würde als vorher. Geschichtlich liegt dieser Tag schon hinter uns. Doch nicht die Erfahrung der Begegnung mit Gott. Ab dem Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes erfüllt der Schöpfergeist Gottes unsere Welt unterunterbrochen mit Hoffnung und Heil. Wir Menschen müssen nicht uns selbst überlassen und autonom leben. Gott, der Schöpfer, spendet uns durch den Heiligen Geist seine lebendige, einladende und rettende Nähe genauso wie die Jünger Jesu sie in der Person Jesus Christus gespürt und erlebt haben. Sie ist aber im Heiligen Geist Gottes anders. Die Begegnung mit der Gegenwart Gottes ist ab Pfingsten nicht mehr auf die Krippe von Betlehem, das Haus von Zachäus oder auf die Stadt Jerusalem limitiert.


„Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch“. Apostelgeschichte 2, 17
In der ganzen Welt ist die einladende Gegenwart Gottes zum Heil aller Menschen erfahrbar. Jeder Mensch darf die rettende Wirkung des Geistes Gottes durch die Aufrufung des Namens Jesu Christi erfahren. Das Pfingstgeschehen ermutigt uns zur tagtäglichen Begegnung mit Gott. Überall, wo wir uns befinden, sind wir nicht alleine. Der Geist Gottes, der Geist Christi, der Heilige Geist leitet, stärkt und ermutigt uns auf unserem Lebensweg.

Frohes Pfingstfest wünsche ich uns allen.
Pastor Alexander Stavnichuk

Wo das Leben zuhause ist

„Wir denken immer zuerst ans Leben und dann erst an den Raum ...“ – so lautet ein Auszug aus dem bekannten Werbespot von Ikea „Wo das Leben zuhause ist“. Ikea hat das begriffen: zuerst Leben, dann Raum. Was wir selber leben und von welchen Lebensidealen wir träumen, findet seinen Ausdruck in einem Raum, in dem wir leben. Wir gestalten uns einen Wohnraum je nach unserem Gefühl fürs Leben. Die einen fühlen sich in einer kleinen kuscheligen Wohnung wohl, die anderen fühlen sich in einem riesigen Palst wohl. Welche Lebensräume, Mobiliar und Einrichtung wir zuhause haben zeugt, abgesehen von unseren finanziellen Möglichkeiten, von unseren Vorstellungen über das Leben: und zwar über das Licht, die Farben, die Weite, die Größe, Geschmack, die Stimmung, die Gemütlichkeit und schließlich vom Anspruch auf das gute Leben.
Fast zwei Tausend Jahre vor diesem Werbespot schrieb der Apostel Paulus, ergriffen von der Botschaft der Auferstehung, fast den gleichen Gedanken, nur in Bezug auf die Zusammenkunft der Christen:

Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie denn Gott sprach (3. Mose 26,11-12; Hesekiel 37,27): »Ich will unter ihnen wohnen und wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.« 2 Kor 6, 16.

Die Idee ist mehr als anschaulich. Wenn Christen zusammenkommen, bringen sie ihre Leidenschaften nach Gott und ihre Beziehungen mit dem lebendigen Gott zusammen. Daraus bildet sich ein Raum, wo der lebendige Gott, also die Quelle des Lebens, zuhause ist. Jedoch geht es dabei nicht um den Nebeneffekt des Zusammendrängens der Menschen pro Quadratmeter.
In dem Maße und der Intensität, in denen Christen miteinander eine Begegnung mit Gott suchen, ereignet sich die Gemeinde als Oase des Lebens. In dem Maße, in dem Christen die Atmosphäre der neuen Schöpfung Christi und der Hoffnung auf die Auferstehung zum Ausdruck bringen, machen sie sich, wenn sie von sich behaupten „Jesus lebt!“, in den Augen der anderen Menschen glaubhaft.

Die Botschaft Jesu Christi ist die frohe Botschaft von der Wiedergeburt des Menschen zum neuen Leben und vom Triumph des Lebens über den Tod. Wie viel Lebensinspiration steckt in dieser frohen Botschaft! Wie animierend klingt diese gute Botschaft für dein und mein persönliches Leben! Wie viele Ideen sprudeln für uns aus dieser Botschaft, um als Gemeinde das Haus des lebendigen Gottes zu leben! Welche unbegrenzten Ausdrucksmöglichkeiten kann die Botschaft vom Leben einen neuen erfrischenden Sinn in den christlichen Glauben hauchen! Wie kann dann eine Gemeinde Christi, begeistert vom neuen Leben, ihren Atem verbreiten und ihren Ort der Zusammenkunft so gestalten, dass die anderen Menschen merken und spüren, hier ist eine Gemeinde, in der das Leben zuhause ist?

In Liebe zum Leben der neuen Schöpfung
Euer Pastor

Die christliste Zeitrechnung

Die christliche Zeitrechnung ist eigenartig. Die Zeit wird von der Wiederkunft Jesu her, also von der Zukunft zurück in die Gegenwart gerechnet. So machen es die Kinder, wenn sie den Abstand zu einem spannenden Event wie Geburtstag oder Heiligabend verringern, indem sie die verbleibenden Nächte zählen. Die vergangene Zeit ist für uns Christen nie etwas, was Nostalgie oder Wehmut nach verpassten Möglichkeiten auslöst. Das Beste wartet noch auf uns. So gibt uns die Vorwegnahme der Ewigkeit ein Maß, unsere Vergangenheit und Gegenwart zu bewerten.

Es stellt sich also die Frage: „Was hat Ewigkeitsqualität?“ Was wird am Tag der Vollendung der Zeit zählen? Das Wort Gottes gibt uns eine klare Auskunft dazu: Im Gleichnis über die anvertrauten Pfunde ist die Rede davon, dass jeder Christ von Gott aufgefordert ist, das, was Gott ihm anvertraut hat, zum Wachstum zu bringen. Dieser kleine Samen der Ewigkeit, den Gott in uns gelegt hat, ist das neue Leben, das „Christus Jesus in uns“. Darum frage dich, wo dieses „Christus in mir“ in deinem Leben größer geworden ist? Wo, wann und wie konkret hat dein Glaube an Jesus Christus Wirkung gezeigt?

Was kann das sein? Das sind alle Momente deines Lebens, die dich zur Liebe zu Gott und zu deinen Mitmenschen bewegt haben. Es sei ein Dank, eine tiefe Anbetung Gottes, jeder Ausdruck von Reue und Buße, ein Entschluss, destruktive Dinge in deinem Leben aus Liebe zu Gott zu verändern. Es sei eine gute selbstlose Tat an deinem Mitmenschen. Ein Dienst der Barmherzigkeit. Ein neuer Anfang. Eine Tat von dir, die dem Willen Gottes entspricht. Es ist etwas in deinem Leben, wodurch Gottes Wirklichkeit in dir und in deiner Umgebung Gestalt genommen hat.

Wenn du all diese Dinge in deinem Leben entdeckt hast, findest du dort die Wegbeschreibung von Gott für dein nächstes Jahr.  Wo Dinge der Zukunft dein Leben heute lenken und gestalten, dort erlebst du das Zeitwunder. Du begegnest dem Wind der Ewigkeit, die in deinem Leben hier und jetzt wirkt.

Ein gesegnetes neues Jahr wünscht Euch allen

euer Pastor Alexander Stavnichuk